Im folgenden möchten wir Ihnen die Unterschiede in der Bauart einiger Segelflugzeuge vorstellen.
Zwei Gruppen lassen sich da unterscheiden:

1. die einfachen (und älteren) Segelflugzeuge mit Tragflächen und Leitwerken in Holzbauweise, mit einem Rumpf aus Stahlrohr oder Sperrholz und einer lackierten Leinwandbespannung.

2. die leistungsfähigeren (und neueren) Segler aus glasfaserverstärktem Kunststoff, kenntlich an den glatten Tragflächen und den wohlgerundeten Rümpfen mit spitzer Schnauze.

Erklären müssen wir Ihnen noch rasch den Begriff "Gleitzahl". Diese Zahl gibt an, wieviel Kilometer weit ein Segelflugzeug in ruhender Luft gleiten kann, während es 1000 Meter tiefer sinkt.

Je größer die Gleitzahl, desto mehr kann ein Segler auf einem Streckenflug mit seiner Höhe anfangen. Wichtig ist auch die Geschwindigkeit, bei der diese Gleitzahl erreicht wird. Ein Segelflugzeug, das eine gute Gleitzahl bei hoher Geschwindigkeit besitzt, kommt aus der gewonnenen Höhe nicht nur weit voran, es legt die Gleitstrecke auch in kurzer Zeit zurück. Moderne Segelflugzeuge haben Gleitzahlen von 40 und mehr.

Ideale Segler also ? Schon - aber auch hier gilt: Kein Licht ohne Schatten !

Solche Flugzeuge müssen meist schnell geflogen werden. Und das ist beim Kreisen im Aufwind nicht selten von Nachteil. Aus der großen Geschwindigkeit ergibt sich ein großer Kreisradius. Der Aufwind ist aber am stärksten im Zentrum des Bartes. Und dort kreisen dann die langsameren Segler in Holzbauweise. Sie können bei mäßiger Geschwindigkeit enge Kreise ziehen und haben schon so manche Kunststoff-Orchidee "ausgekurbelt". Auf der Gleitstrecke bleiben sie dann allerdings meist weit hinter ihren aalglatten Konkurrenten zurück.

Vielleicht wollen Sie wissen, weshalb man heute die Segelflugzeuge fast nur noch aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) baut.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen dafür. Die Verwendung dieses Materials vereinfacht die Produktion. Segelflugzeuge lassen sich erstmals im Fließbandverfahren herstellen. Mit GFK können "kritische" Stellen am Flugzeug leicht in ausreichender Weise verstärkt werden. Die Segelflugzeuge sind dann so stabil, dass sie auch in turbulenten Wolken geflogen werden können. Dies gilt allerdings auch für die Segler in Gemischt-Bauweise. Sie sind fast ausnahmslos ebenfalls für den Wolkenflug zugelassen - wenn wir auch, wie Sie schon wissen, über der Bundesrepublik nicht in die Wolken hineindürfen. Vor allem aber erlaubt das GFK-Material bei Tragflächen, Rumpf und Leitwerk eine aerodynamisch günstige Formgebung d.h. optimale Auftriebsverhältnisse bei minimalem Formwiderstand.

Eins muss zum Abschluss noch gesagt werden! Wir sprachen vorhin von den "Mühlen" aus Holz und Stahlrohr und von den modernen "Orchideen". Herabwürdigen wollten wir die älteren Segelflugzeuge damit keineswegs! Es sind auf diesen Mustern weltweit großartige Leistungen geflogen worden, und wir fliegen sie auch jetzt noch gern und mit Erfolg. Im Grunde kommt es nämlich gar nicht so sehr auf das Flugzeug an. Entscheidend ist auch heute noch, wer drin sitzt. Können und Wissen geben den Ausschlag. Und das ist im Zeitalter der Technik doch ein Lichtblick. Es kommt auf den Menschen an !